Kreisgruppe Südpfalz

Über die B10 spricht keiner!

Ulrich Mohr zur Gefährdung des Status als Biosphärenreservat des Pfälzerwalds (Reaktion auf die Rheinpfalz vom 6.7.2022)

Wieder einmal spricht die Öffentlichkeit von den Hindernissen für Windräder im Pfälzerwald. Grund: die Vorbehalte des MAB-Nationalkomitees gegen diese Energiegewinnung in einem Biosphärenreservat. Viel zu wenig bekannt ist, in welchem Kontext die UNESCO eigentlich seit Jahren Windräder im Pfälzerwald kritisch sieht. Um das Thema Windkraft im Pfälzerwald in den Zusammenhang zu stellen, in dem es von der UNESCO gesehen wird, ist die letzte „Periodischen Überprüfung“ des MAB-Nationalkomitees anzuschauen (Die nächste „Überprüfung“ soll unmittelbar bevorstehen). Dort auf S. 8 unten ist eine klare Rangfolge der Gefährdung des Prädikats „Biosphärenreservat“ zu erkennen: In erster Linie wird der Ausbau der B 10 aufgeführt, dann kommt die „Zunahme des Siedlungsbaus“ und erst zuletzt findet „der Ausbau der Windkraft“ Erwähnung.

Vor diesem Hintergrund berührt es einen seltsam, dass von allen Seiten Windräder, immer und immer wieder Windräder, als die große Gefahr für unser Biosphärenreservat hingestellt werden. Dabei geht unter, dass der B 10-Ausbau in erster Linie doch gar nicht dazu da ist, der regionalen Wirtschaft, insbesondere der Südwestpfalz, etwas Gutes zu tun, sondern dass mit dem vierspurigen Ausbau nach RQ 26 in Wirklichkeit und entgegen allen Beteuerungen eine Magistrale für den europäischen Schwerverkehr etabliert werden soll  -  mit täglich 10.000 LKW (s. Unterlagen zum BVWP 2030). Damit würde die B 10 zu einer TEN (Trans European Transit)-Achse erhoben. Solche Achsen hat das EU-Parlament beschlossen; die ausgebaute B 10 ist aber nicht darunter, die europäische Union will vielmehr die A 6 (sechsspurig) und die französische A 4 als TEN-Achse in unserer Region. Der B 10-Ausbau zur Transitstrecke steht damit im Widerspruch nicht nur zur UNESCO, sondern auch zur Verkehrspolitik der Europäischen Union.

Wer nur gegen Windräder wettert, verdeckt geflissentlich, dass der B 10-Ausbau die Südpfalz mit Schwelastverkehr fluten wird. Da helfen keine Tunnels und Tröge. Die Folgewirkungen reichen weit hinein in unsere Südpfalz. Das müsste auch der Barbelrother Volker Wissing wissen. Der will doch jetzt das meiste Geld für die Bahn ausgeben. Und im Queichtal liegt eine Schienenstrecke, die einst zweigleisig Ostende mit München verknüpft hat. Welche Aufgaben könnten da vor unserem Bundesverkehrsminister liegen  -  zum Wohl der Pfalz!

Resolution gegen den B10-Ausbau

Resolution gegen den weiteren Ausbau der B10 durch den Pfälzerwald

Dieses Fernstraßenprojekt im Zuge der Bundesstraße 10 quert einen bedeutsamen Bereich des deutsch-französischen Biosphärenreservats Pfälzerwald – Vosges du Nord. Es gefährdet außergewöhnliche Landschaften und Naturräume, die gleichzeitig für die Entwicklung des Tourismus sowie der damit verbundenen Wirtschaftszweige wichtig sind. Eine Zerschneidung dieser einzigartigen Landschaft muss vermieden werden.
Noch ist es nicht zu spät. Die entscheidenden Abschnitte des B 10-Ausbaus im größten zusammenhängenden Waldgebiet Deutschlands sind noch nicht planfestgestellt.

19 Organisationen veröffentlichten im April 2022 deshalb diese Resolution zum B10-Ausbau.

B 10 Resolution_April_2022 (PDF, 480 kB)
 

Hintergrundinfo:

Kompromiss der Mediation 2013: B 10 PS-Landau_2013-01-30_Kompromiss der Mediation (PDF, 1,3 MB)

 


 

Kein B10-Ausbau im Pfälzerwald

Alte Trasse und Neubau bei Hauenstein im Vergleich Alte Trasse und Neubau bei Hauenstein im Vergleich  (Walter Herzog)

 

 

 

Mit dieser Anerkennung wurde das damals erste internationale Biosphärenreservat kreiert, welches die größte zusammenhängende Waldfläche Westeuropas repräsentiert.

Ein wesentliches Merkmal für die Ausweisung war dessen relative Unzerschnittenheit!

Direkt im Norden ist die Autobahn A 6 und direkt im Süden die Autobahn A 4, die den West/ Ost Verkehr aufnehmen. Für den Ausbau der B10 in der empfindlichsten Zone des Gebietes werden Berge versetzt. Die Planung dieser Straße wurde in der Vergangenheit bereits 8 Mal wegen Tektonik, Topografie, Raumwiderstand und Kosten verworfen, doch diesmal könnte es durchgehen.

Wir brauchen eine andere Verkehrspolitik!
In Zeiten des Klimawandels ist das absolut unverantwortlich, dieses außergewöhnliche internationale (F/D) Schutzgebiet in seiner einmaligen Größe (3105 qkm), mit seiner einzigartigen Biotop- und Artenausstattung (z.B. Wildkatze, Luchs), zu zerstören.
Die Entscheidungsträger unserer staatlichen Stellen, schauen über die Notwendigkeit des Natur-, und Artenschutzes hinweg.
Den Lebensraum von Wilditieren zu schützen, schützt auch den Menschen. Das zeigt uns die Coronapandemie deutlicher denn je.

Es gibt keine Lücke im europäischen Autobahnnetz der Region!
(TEN-Achsen, Trans European Network)

Deshalb werden wir im Wahljahr 2021 (LTW Rheinland-Pfalz im März und BTW im September) eine Kampagne starten.

2022 wird der Bundesverkehrswegeplan evaluiert. Hier ergibt sich ein Ansatzpunkt, das Projekt neu zu bewerten. Die etablierten Parteien, die für 30 Jahre Untätigkeit im Klimaschutz die Verantwortung tragen, müssen sich dieser Verantwortung endlich stellen!

Die derzeitige Corona-bedingte Mittelknappheit der öffentlichen Kassen, verbunden mit der klimabedingten Notwendigkeit einer anderen Verkehrspolitik, kann die goldene Brücke sein welche es der Politik erlaubt das Projekt fallen zu lassen.

Unsere Alternativen zum BVWP

B10: Ausbau Landau-Pirmasens

Offizielle Planung: Erweiterung der B 10 Landau-Pirmasens zwischen Hinterweidental und Hauenstein sowie Godramstein und der A 65 auf vier Fahrstreifen

BUND-Alternative: Erweiterung der parallel verlaufenden Queichtalbahn auf bereits einmal vorhandene zwei Gleise, verbunden mit einer Elektrifizierung dieser Strecke. Zudem fordert der BUND eine weiträumige Verkehrslenkung über die parallel verlaufende, teilweise im sechsspurigen Ausbau befindliche A 6 und die französische A 4 an. Außerdem fordert der BUND die Prüfung von Optimierungsmaßnahmen an den Anschlussstellen der B 10.

Vorteile der BUND-Anmeldung:

  • keine weitere Zerschneidung des sensibelsten Teiles und der Kernzone des Biosphärenreservats Pfälzer Wald im Bereich zwischen Hinterweidental und Hauenstein, ebenso kein zusätzlicher Eingriff in das Natura 2000 Gebietsnetz
  • keine erhöhte Beeinträchtigung durch zusätzlichen zu erwartenden Schwerverkehr
  • Vermeidung von negativen Auswirkungen auf den Wirtschaftsfaktor Tourismus
  • Kosteneinsparung: nur circa 35 Millionen Euro gegenüber 80 Millionen Euro des offiziellen Projekts

BUND-Anmeldung B10 für den Bundesverkehrswegeplan

Ausbau der B10 bei Hinterweidenthal (2015)  (Klaus Graßmück / CC BY-SA 2.0)